Gottesdienst in Meiningen im Gedenken an Bombenangriff und Einweihung des Gemeindezentrums

Am Morgen des 23. Februars 2020 gedachten in dem gut besuchten Gotteshaus der Neuapostolischen Kirche über 160 Gottesdienstbesucher des Bombenangriffs auf Meiningen vor 75 Jahren und der Einweihung des Gemeindezentrums 55 Jahre später.

Bereits vor Beginn wurden alle Anwesenden durch den Bezirkschor der Gebietskirche Gotha sowie instrumental auf diesen besonderen Gottesdienst eingestimmt.

Bezirksevangelist Uwe Weyh legte dem Gottesdienst das Bibelwort aus dem Matthäusevangelium Kapitel 5, die Verse 44 und 45: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ zugrunde. Es wurde die Frage aufgeworfen: Warum hat Gott dieses furchtbare Geschehen, bei dem 208 unschuldige Menschen ihr Leben verloren, zugelassen? Warum lenkt er dieses und jenes nicht anders – er hätte doch die Macht dazu – er hat aber auch den Menschen ihren freien Willen gegeben… Allerdings wurden mit diesem freien Willen seit Menschengedenken immer wieder Fehler gemacht. Das war schon im Paradies so. Doch auch heute schenkt Gott uns seine Liebe, seinen Segen und seinen Frieden – und durch Vergebung auch inneren Frieden.

Vor 20 Jahren wurde an der Stelle, an der das durch den Bombenabwurf total zerstörte Wohnhaus einer Meininger Familie stand, das Gemeindezentrum der Neuapostolischen Kirche geweiht. Viele Gottesdienste mit Feier des Heiligen Abendmahls sowie zahlreiche Segenshandlungen wie Taufe, Heilige Versiegelung, Konfirmation, Hochzeit, Ehejubiläen, aber auch Trauerfeiern, wurden seither dort durchgeführt. Mit dem Neubau des Gemeindezentrums entstand ein Ort, an dem Herz und Seele berührt werden, wenn man sich dafür öffnet, ein Ort, an dem Gottes Liebe offenbar wird, ein Ort, an dem man auf manche Fragen aus allen Lebensbereichen Antworten bekommen kann. Aber auch ein Ort der Vergebung ist entstanden. Vergebung ist kein Wegwischen von Geschehenem oder ein „einfach nicht mehr daran denken“. Nein, Vergebung hilft, Frieden zu finden.

Der Gottesdienst diente auch der Vorbereitung auf den Gottesdienst für Entschlafene am kommenden Sonntag. Dieser findet dreimal im Jahr statt. Gott bietet auch denen Hilfe an, die diese Erde verlassen mussten und nie Gelegenheit hatten, sein Wort zu hören.

Gott ist die Liebe. Die Gottesdienstbesucher wurden aufgefordert, auch den Nächsten zu lieben, den Anderen zu tragen und einander zu vergeben. Evangelist Holger Quenstedt, Vorsteher der Gemeinde Suhl, bekräftigte diese Aufforderung in seinem Predigtbeitrag.

Nach Sündenvergebung, Feier des Heiligen Abendmals und Schlusssegen dankte der Bezirksevangelist allen Gottesdienstbesuchern für ihr Kommen, allen Mitwirkenden, ob sichtbar oder "hinter den Kulissen" für ihre Mitarbeit und lud alle zu einem kleinen Imbiss ein. Viele wertvolle Gespräche, manche Frage und ein nochmaliges, ganz besonderes Gedenken in der Zeit zwischen 12:43 bis 12:48 Uhr – dem Zeitpunkt des Bombenabwurfs – bereicherten das Erleben dieses Tages zusätzlich.