Gedenkgottesdienst

Besonderer Gedenkgottesdienst in der neuapostolischen Kirchengemeinde Meiningen - Bombenangriff vor 80 Jahren.

Am 23. Februar erlebten die Glaubensgeschwister der Gemeinde Meiningen gemeinsam mit ihren Gästen einen ganz besonderen Gedenkgottesdienst. An diesem Tag vor genau 80 Jahren, einem Tag, der so sonnig und wolkenlos begann, überflog in den Mittagsstunden eine Staffel der US-Luftwaffe die Stadt Meiningen und warf innerhalb von 5 Minuten 582 Bomben ab. Bei dem Angriff verloren 208 Menschen ihr Leben, viele Häuser wurden zerstört, 800 Menschen wurden obdachlos. 

In der damaligen Bismarckstraße – heute Neu-Ulmer-Straße (Standort der NAK Meiningen) wurden 17 Häuser zerstört. An der Stelle, wo heute das Gotteshaus steht, stand das Wohnhaus der Familie Hugo und Luise Benkard. Sie hatte das Haus erst 8 Jahre zuvor erworben. Glücklicherweise gab es hier keine Toten, aber die 23 Bewohner verloren in diesen 5 Minuten fast ihr gesamtes Hab und Gut. Auf dem heutigen öffentlichen Parkplatz neben der Kirche, den die Glaubensgeschwister oft mit nutzen, wurde das Wohnhaus ebenfalls total zerstört und eine Mutter mit ihrer Tochter unter den Trümmern verschüttet. Sie konnten nur noch tot geborgen werden.

Warum hat Gott dieses furchtbare Geschehen zugelassen? Warum lenkt er dieses und jenes nicht anders – er hätte doch die Macht dazu – Gott hat aber den Menschen auch ihren freien Willen gegeben… und mit diesem werden seit Menschengedenken immer wieder sinnloses Unrecht, große Verbrechen, schwere Sünden begangen. Am 24. Februar vor drei Jahren begann die Invasion russischer Truppen in der Ukraine. Seitdem dauert der Angriffskrieg Russlands mit zunehmender Härte und Zerstörung an und viele unschuldige Menschen, auch aus der Zivilbevölkerung, verloren bisher ihr Leben.

55 Jahre nach dem Luftangriff auf Meiningen, fast auf den Tag genau, nämlich am 20. Februar 2000, wurde an der Stelle, an der das durch den Bombenabwurf total zerstörte Wohnhaus des Ehepaares Benkhardt stand, das Gemeindezentrum der Neuapostolischen Kirche geweiht. Große Freude und Dankbarkeit steht heute noch in den Herzen der Geschwister über die ungezählten freiwilligen Spenden der Glaubensgeschwister der Gebietskirche, die in den Bau des Gotteshauses einflossen und diesen ermöglichten. Viele Gottesdienste mit Feier des heiligen Abendmahls sowie zahlreiche Segenshandlungen wurden in den vergangenen 25 Jahren seither hier durchgeführt.                                         

Mit dem Neubau des Gemeindezentrums entstand ein Ort, an dem Herz und Seele berührt werden, wenn man sich dafür öffnet, ein Ort, an dem Gottes Liebe offenbar wird, ein Ort, an dem man auf manche Fragen aus allen Lebensbereichen Antworten bekommen kann. Aber auch ein Ort der Vergebung ist entstanden. Vergebung ist kein Wegwischen von Geschehenem oder ein „einfach nicht mehr daran denken“. Nein, Vergebung hilft, Frieden zu finden. 

Auch Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder wurde vom Gemeindevorsteher Jan Solbrig zu diesem besonderen Gedenk- und Festgottesdienst herzlich begrüßt. Er war am Ende sehr beeindruckt und überreichte dem Vorsteher noch ein Grußwort, in welchem er unter anderem schreibt:

"… anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Gotteshauses und Gemeinde-zentrums der Neuapostolischen Kirche in Meiningen übermittle ich Ihnen und Ihrer Gemeinde meine herzlichen Glückwünsche.

Seit der Einweihung am 20. Februar hat sich Ihr Haus zu einem bedeutenden Bestandteil unserer Stadt entwickelt. Es bietet nicht nur Raum für religiöse Zusammenkünfte, sondern dient auch als Ort für interkonfessionelle Veranstaltungen und fördert den Dialog zwischen verschiedenen Glaubensgemeinschaften. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür war die erstmalige Ausrichtung des Weltgebetstages am 3. März 2023, die von Bürgerinnen und Bürgern Meiningens mit großer Freude angenommen wurde.

Ihr Engagement trägt maßgeblich zur kulturellen und sozialen Vielfalt unserer Stadt bei. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihren Vorhaben und freue mich auf die Fortsetzung unserer konstruktiven Zusammenarbeit. …"

Die Superintendentin der evangelischen Kirche, Frau Beate Marwede, konnte wegen anderer Termine leider nicht an unserem Gottesdienst teilnehmen. Ihr Grußwort verlas der Vorsteher zu Beginn des Gottesdienstes.  Sie schreibt:

"Liebe Geschwister in Christus,

im Namen des ev,-luth. Kirchenkreises Meiningen übermittle ich Ihnen herzliche Segenswünsche zum 25 jährigen Bestehen Ihres Kirchengebäudes hier in Meiningen. Möge Gott dieses Haus segnen und alle, die darin ein und ausgehen!

An diesem Sonntag nehmen die Gottesdienste in den ev.-luth. Kirchen in ihren Texten, Liedern, Predigten und Gebeten das Wort Gottes in den Blick: Es tröstet, lehrt, mahnt, baut auf und ermutigt. „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebr 3,15)“- so lautet der Wochenspruch für die beginnende Woche. Wir sehen uns mit Ihnen verbunden in dem Auftrag, den uns Christus gegeben hat: Dass wir Sein Wort mit Worten und Taten bezeugen, in unseren Kirchen und Häusern, und wo immer wir Menschen begegnen: auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Familie, im Freundeskreis oder bei unseren Freizeitaktivitäten.

Der heutige 80. Gedenktag der Bombardierung Meiningens, die heutige Bundestagswahl und die Weltsituation zeigen, wie wichtig es ist, dass wir Christen als Söhne und Töchter Gottes Sein Wort des Friedens und der Wertschätzung allen Lebens mit Worten und Taten öffentlich bezeugen und  so dem Hass und der Menschenverachtung entgegentreten.

Ich bin dankbar für die Gemeinschaft in der Ökumene in Meiningen und freue mich, dass Sie, die Geschwister in der Neuapostolischen Kirche, dazu gehören."

Die musikalische Mitgestaltung dieses besonderen Gottesdienstes übernahmen die Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten der Gemeinde (ein Ilmenauer Orgelspieler hat die Gemeinde zusätzlich unterstützt). „Ihr wart einfach toll“ – das war die einhellige Meinung der Geschwister aber auch der zahlreichen Gäste, die den Gottesdienst miterlebten.

Nach dem Gottesdienst gab es bei Brunch noch viel Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen untereinander und mit den Gästen.