Besichtigung des Rennsteigtunnels

Eine Führung in der Zentralen Betriebsleitstelle Thüringens und zu Fuß im Rennsteigtunnel – das waren Höhepunkte des Samstagsausflugs der Gemeinde. Wertvolle Sicherheitstipps gab es „aus erster Hand“.

Dass der Rennsteigtunnel zu den sichersten Tunneln in Europa gehört, davon konnten sich in Zella-Mehlis/Oberhof 22 junge und jung gebliebene Geschwister der Gemeinde Meiningen überzeugen. Mehr als zwei Stunden erläuterte Thomas Weyrich, Mitarbeiter der Zentralen Betriebsleitstelle Thüringen, den interessierten Zuhörern die Funktion und Arbeitsweise der Leitstelle, sowie die in den Tunneln installierten Sicherheitseinrichtungen und gab wichtige Informationen zum Verhalten in Straßentunneln.

Mit 7916 m (westliche Röhre) bzw. 7878 m (östliche Röhre) gehört der Rennsteigtunnel zu den längsten Tunneln Deutschlands. Nach knapp 5-jähriger Bauzeit wurde er im Juli 2003 für den Verkehr freigegeben.

Im Tunnel selbst gibt es 12 Pannenbuchten sowie im Abstand von 300 Metern 25 Querstollen zur anderen Richtungsfahrbahn als Fluchtwege zwischen den beiden Tunnelröhren. Jeder zweite Querstollen, alle mit Brandschutztüren ausgestattet, ist befahrbar und ermöglicht Rettungsfahrzeugen eine Überfahrmöglichkeit in die andere Tunnelröhre, um in kürzester Zeit an dem Ort zu sein, wo im Notfall Hilfe dringend benötigt wird.

Beide Röhren werden durch Schächte ständig mit Frischluft versorgt und die Abluft abgesaugt. Dazu gibt es jeweils zwei riesige Luftaustauschzentralen.

Von der zentralen Verkehrsleitstelle aus werden auf Monitoren rund um die Uhr alle Tunnel Thüringens, die über ein komplexes Netzwerk miteinander verbunden sind, überwacht. Im Herbst 2014 kommt noch der 3.000 m lange Jagdbergtunnel bei Jena dazu.

Zur Tunnelüberwachung durch die Leitstelle gehören die Steuerung der Lüftung und Beleuchtung, notwendige Tunnelsperrungen aufgrund besonderer Ereignisse, Information und Warnung der Tunnelnutzer, mehrsprachige Durchsagen über Lautsprecher oder Verkehrsfunk, Einleitung von Maßnahmen zur Störungsbeseitigung (z.B. auch Notruf an Tunnelfeuerwehr, Anforderung medizinischer Hilfe), Steuerung und Regelung des Verkehrs u.a.

Wenn ein Auto in eine Nothaltebucht fährt, wird bereits über die im Straßenbelag befindlichen Sensoren der Kontakt zur Leitstelle hergestellt und per Autoradio können sofort Hinweise zum weiteren Verhalten gegeben werden.

Absolutes Highlight war der gemeinsame Gang über einen der beiden Zuluftstollen zur Luftaustauschzentrale und danach direkt in den Tunnel. Zuvor bekam jeder eine Besucherweste und dann ging es los. Bevor der Tunnel, in welchem ja fließender Verkehr herrschte, durch die Besuchergruppe betreten werden konnte, ließ Herr Weyrich die rechte Fahrspur der Tunnelröhre sperren und die Geschwindigkeit der linken Fahrspur auf 60 km/h reduzieren. Und dann standen wir mittendrin im Tunnel, gingen über den Fußweg in eine Pannenbucht und dann über eine Notrufnische in einen der Querstollen und sahen dort links und rechts die Autos in Richtung Erfurt bzw. Schweinfurt durch die Tunnelröhren fahren.

Viele wertvolle Tipps zum allgemeinen Verhalten in Straßentunneln sowie bei Stau, Pannen, Unfall oder Feuer gab uns der Fachmann noch mit auf den Weg: Im Tunnel nie wenden oder rückwärts fahren. Vor der Einfahrt in den Tunnel - Verkehrsfunk einschalten. Anhalten nur im Notfall. Bei Panne oder Unfall - Warnblinker an, Fahrzeug rechts oder in Pannenbucht abstellen, Zündschlüssel stecken lassen, über Notrufstation (nicht über Handy) Hilfe anfordern, auf Lautsprecherdurchsagen achten. Bei Feuer - Tunnel über Notausgänge schnellstmöglich verlassen. Fahrzeug nicht abschließen, Zündschlüssel stecken lassen. Das Leben retten, nicht das Fahrzeug.

Wir waren alle der Meinung: der Besuch der Leitstelle und des Tunnels hat sich für jeden gelohnt.

Text: C.F.

Fotos: B.R./D.R./K.Z.